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Gin – Wacholder und ganz viele Botanicals

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Warum ist Gin so beliebt? Als Cocktail-Zutat und in Form des Gin Tonics hat er seinen festen Platz in der Welt der Spirituosen und Mixgetränke. Doch es gibt einen weiteren Grund, warum er so viel Aufmerksamkeit erregt: Gin selber machen liegt im Trend. Ob selbst gemacht oder gekauft: Aufgrund der Sortenvielfalt findet jeder ein passendes Produkt. Selbst alkoholfreier Gin ist im Angebot. Um die richtige Wahl zu treffen, empfiehlt es sich, sich über Zutaten, Herstellungsweisen und Sorten von Gins zu informieren.

Woraus wird Gin gemacht?

Das Wort ist eine Kurzform von Genever oder Jenever, einem traditionellen Wacholderschnaps aus Belgien und den Niederlanden. Er gilt als Vorläufer des Gins, ist aber noch in seiner ursprünglichen Form erhältlich. Der Name stammt vom niederländischen Wort für Wacholder, das sich aus dem lateinischen Wort juniperus entwickelt hat. Für die Herstellung des Gins gibt es erstaunlich wenige Vorschriften in Europa. Die Grundlage ist hochprozentiger Agraralkohol, in dem aromatisierende Zutaten eingelegt werden. Wacholder darf dabei nicht fehlen. Das Endprodukt muss mindestens 37,5 % vol. Alkohol enthalten, damit es sich Gin nennen darf. Aus diesem Grund zählt alkoholfreier Gin nicht zu den echten Gins. Es handelt sich dabei um aromatisierte Getränke, die eine Alternative zu den Spirituosen darstellen.

Wie wird Gin hergestellt?

Zunächst müssen sich Ginproduzenten für einen geeigneten Basisalkohol entscheiden. Meist fällt die Wahl auf Wodka oder einen neutralen Alkohol auf Getreidebasis. Es gibt auch Gins aus Spirituosen mit einem deutlichen Eigenaroma. Der typische Geschmack entsteht durch die Zugabe von Wacholderbeeren, die botanisch eigentlich Wachholderzapfen sind. Sie sorgen nicht nur für die harzig-würzigen Noten. Ihre chemische Zusammensetzung enthält Moleküle, durch die sie mit anderen Aromen hervorragend harmonieren. Zusammen mit dem Wacholder werden andere Aromazutaten – die sogenannten Botanicals – in den Alkohol eingelegt. Damit die Aromastoffe in den Alkohol gelangen, gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Die wichtigsten sind die Mazeration, die Digeration und die Perkolation.

Beim nächsten Schritt, dem Destillieren, entscheiden zahlreiche Faktoren über den Geschmack des fertigen Gins. Form und Art des Destillationsapparats sowie Brenndauer spielen eine entscheidende Rolle. Genießbar ist nur der sogenannte Mittellauf. Das Kondensat vom Beginn und vom Ende des Destillationsvorgangs lässt sich nicht verwerten. Eine abschließende Lagerung der Spirituose wird nur bei wenigen Ginsorten durchgeführt. Zum Schluss wird der gewünschte Alkoholgehalt durch Verdünnen mit kalkarmem Wasser eingestellt.

Wer Gin selber machen will, benötigt keine Destillieranlage. Bei dieser einfachen Methode geht es darum, aus einer Kombination verschiedener Aromazutaten ein wohlschmeckendes Ergebnis zu kreieren. Im ersten Schritt wird Wodka oder eine andere Spirituose mit Wacholderbeeren versetzt. Nach einer Ziehzeit von einem Tag kommen die zerkleinerten Botanicals hinzu. Sie sollen so lange durchziehen, bis das Aroma die gewünschte Stärke erreicht hat. Während der Ziehzeit empfiehlt es sich, das Gefäß mit dem Wodka-Ansatz regelmäßig leicht zu bewegen. Zum Schluss wird die Flüssigkeit sorgfältig abgeseiht. Sie muss eine Woche ruhen, dann ist die selbst gemachte Spirituose fertig.

Botanicals – womit kann man Gin aromatisieren?

Vorschriften für das Aromatisieren des Gins gibt es nicht. Hersteller können sich selbst entscheiden, wie viele Botanicals sie verwenden möchten und wie sie diese mischen. Als Botanicals eignen sich Gewürze, Kräuter, Wurzeln, Früchte oder Samen. Einige Blüten stehen ebenfalls regelmäßig auf der Zutatenliste. 6 bis 10 Botanicals reichen aus, um ein Produkt mit einem interessanten und komplexen Aromaprofil herzustellen. Ein ausgewogener Gin vereinigt verschiedene Aromentypen wie Zitrusnoten, Gewürze und florale Noten.

Für Gin Rezepte ist es wichtig, die Botanicals eines Gins zu kennen. Denn nur dann lässt sich ein Produkt wählen, das geschmacklich zu den übrigen Zutaten passt.

Ist Gin gut für die Gesundheit?

Der Trend zum Gin selber machen hat zur Diskussion geführt, ob Gins eventuell eine gesundheitsfördernde Wirkung haben könnten. Immerhin gelten alkoholische Auszüge aus geeigneten Pflanzen seit Jahrtausenden als Grundlage von Heilmitteln. Doch zu den Medikamenten kann man Gins sicherlich nicht zählen. Aufgrund ihrer Zutaten und Herstellungsweise sind sie Spirituosen und damit Genussmittel. Alkoholfreier Gin ist ein Trendgetränk, und daher sind von ihm ebenfalls keine positiven Auswirkungen auf die Gesundheit zu erwarten.

Welche Gin-Sorten gibt es?

Das Angebot an Gins in Deutschland ist riesig. Auf dem Markt sind über 1000 verschiedene Produkte mit dieser Bezeichnung zu finden. Einer der Gründe ist die geringe Zahl von Vorschriften für die Produktkategorie. Ein anderer die Beliebtheit. Gins lassen sich in bestimmte Kategorien und Sorten einteilen. Die Vorgaben für Ginsorten, die offiziell festgelegt sind, bleiben vage. Bessere Anhaltspunkte für den Kauf bieten die Sortenbezeichnungen, die sich in der Praxis etabliert haben.

London (Dry) Gin ist eine offizielle Kategorie. Bei dieser Sorte müssen alle Aromazutaten gleichzeitig hinzugefügt werden. Nach dem Destillieren ist weder die Zugabe von Aromen noch von Zucker erlaubt.

Dry Gin: Diese Bezeichnung bezieht sich auf den Zuckergehalt, der bei maximal 0,1 g Zucker pro Liter liegt. Da das in der Regel beim London Gin der Fall ist, steht meistens London Dry Gin auf dem Etikett.

Destillierter Gin: Bei dieser Varianten müssen alle pflanzlichen Aromazutaten vor dem abschließenden Destillieren hinzugefügt werden. Der Destillationsvorgang dient vor allem der Aromatisierung.

Compound Gin: Diese Gins werden ohne einen abschließenden Destillationsvorgang hergestellt.

Aged Gin oder Reserve Gin: Hierbei handelt es sich um Ginsorten, die einige Zeit in Holzfässern reifen. Zu den Ginaromen kommen deswegen noch Aromen hinzu, die aus dem Holz in die Spirituose übergehen.

Old Tom Gin: Er ist keine offizielle, aber eine traditionelle Ginsorte. Ihr Alkoholgehalt liegt in der Regel zwischen 40 und 47,5 % vol. Aufgrund des Zuckerzusatzes am Ende des Produktionsvorgangs ist Old Tom Gin vergleichsweise süß.

Kein echter Gin ist übrigens der Sloe Gin. Dabei handelt es sich um einen Likör aus Schlehenbeeren.

Was sind die beliebtesten Gins?

Gin zählt zu den Spirituosen, bei denen es schwierig ist, den oder die beliebtesten zu benennen. Viele Kenner bevorzugen Dry Gins, doch die süßeren Sorten sind ebenfalls beliebt. Bei den Verkaufszahlen konkurrieren die preiswerteren mit den Top-Produkten. Hochwertige Qualität spielt sicherlich eine Rolle, wenn es um beliebte Gins geht. Wenn ein Produkt durch seinen Geschmack überzeugt, wird er auch gekauft. Gute Beispiele sind der preisgekrönte Monkey 47 aus dem Schwarzwald, der Klassiker Hendrick’s, der Bombay Sapphire in der himmelblauen Flasche oder die Tanqueray-Gins.

Wie trinkt man Gin?

Gins gelten nicht als Spirituosen, die man oft pur trinkt. Das gilt unabhängig von der Ginsorte. Trotzdem schmeckt ein gutes Produkt auch auf diese Weise. Wichtig ist die Temperatur. Ist er zu kalt, können sich die Aromen nicht entfalten. Ist er zu warm, kommt seine alkoholische Schärfe zu stark durch. 17-18 °C ist eine gute Trinktemperatur für die meisten Gins. Reserve Gins schmecken bei etwa 20 °C besser.

Da Gin selten pur getrunken wird, gibt es eigentlich keine speziellen Gingläser. Für das Pur-Trinken eignet sich am besten ein Nosing-Glas mit Stil. Dieser Glastyp hat einen ausgeprägten Bauch, nach oben verjüngt er sich. Durch diese Form konzentrieren sich die Aromen und werden durch den Geruchssinn aufgenommen. Da Geschmacks- und Geruchssinn zusammenarbeiten, verstärkt ein Nosing-Glas das Bouquet der Spirituose. Für Gin Rezepte fällt die Wahl auf ein Glas, das zum entsprechenden Cocktail passt.

Mit was trinkt man Gin?

Wer Gin Rezepte sucht, stellt fest: Sie sind nicht weniger vielfältig als die Ginsorten selbst. Einfache Drinks stehen neben raffinierten Cocktails. Gin Fizz, Martini, Negroni oder Long Island Iced Tea zählen zu den Standard-Cocktails.

Gin Tonic ist wohl die bekannteste Variante. Für den klassischen Highball werden Gin und kohlensäurehaltiges Tonic Water im Verhältnis 1:1 oder mit einem höheren Tonic Water-Anteil direkt im Glas gemischt. Bei der Zubereitung ist zu beachten, dass es auch beim Tonic Water unterschiedliche Produkte mit verschiedenen Geschmacksnuancen gibt. Serviert wird Gin Tonic üblicherweise in einem Longdrink-Glas mit Eiswürfeln und einer Zitronen- oder Limetten-Scheibe.

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